Bulgaren wählen zum achten Mal in fünf Jahren – Rumen Radev als Favorit
In Sofia und landesweit schliessen Wahllokale; Umfragen sehen Radevs Anti‑Korruptionsbündnis vorn, hohe Wahlbeteiligung erwartet
Nach Angaben lokaler Medien und Wahlbeobachter gingen Bulgaren am Sonntag zur Urne – die achte nationale Abstimmung binnen fünf Jahren. Die Wahl folgt auf eine Phase politischer Instabilität seit 2021, in der mehrere kurzlebige Regierungen an die Spitze traten und wieder abgelöst wurden. Viele Wähler zeigten sich vor dem Polling day motiviert, nachdem Proteste und Rücktritte die politische Landschaft in den vergangenen Jahren geprägt hatten.
Im Mittelpunkt des Wahlkampfs steht der frühere Präsident Rumen Radev. Sein neu formiertes Bündnis, das sich als anti‑korruptionsorientiert positioniert, wurde in Umfragen vor dem Wahlgang als Favorit genannt. Radev hatte im Januar sein Präsidentenamt niedergelegt, um die neu gegründete Gruppierung Progressive Bulgaria anzuführen, und erklärte, das von ihm kritisierte ‚oligarchische Herrschaftsmodell‘ beenden zu wollen.
Zugleich trägt die Wahl eine ausgeprägte geopolitische Komponente. Radev spricht sich gegen militärische Hilfen Bulgariens für die Ukraine aus und plädiert für eine Wiederannäherung an Russland, was innenpolitisch kontrovers diskutiert wurde. Seine Gegner sehen darin ein zu nachgiebiges Verhältnis gegenüber Moskau; Anhänger hingegen erwarten von ihm einen entschlossenen Bruch mit korrupten Netzwerken und eine Neuordnung des politischen Systems.
In Sofia und anderen Städten berichteten Wähler von hoher Bereitschaft zur Stimmabgabe; Analysten erwarteten eine deutlich höhere Teilnahme als bei der letzten Abstimmung 2024, als die Wahlbeteiligung auf rund 39 Prozent sank. Die bulgarische Nachrichtenagentur stellte in Aussicht, dass mehr als 3,3 Millionen Stimmberechtigte an den Wahlurnen erscheinen könnten. Beobachter rechneten mit Exitpolls unmittelbar nach Schließung der Wahllokale und vorläufigen Ergebnissen in den folgenden Stunden.
Daneben blieben interne Ermittlungen und Polizeimaßnahmen ein Thema während des Wahlkampfs. In den Wochen vor dem Urnengang richteten sich Aktionen gegen mutmaßlichen Stimmenkauf; Beamte beschlagnahmten hohe Bargeldsummen und stellten zahlreiche Personen, darunter lokale Amtsinhaber. Solche Vorgänge unterstrichen die zentrale Rolle der Korruptionsbekämpfung in den politischen Auseinandersetzungen.
Borissovs proeuropäische GERB‑Partei wurde in Umfragen vor der Wahl als möglicher Zweitplatzierter mit einem deutlichen Abstand hinter Radevs Bündnis geführt, gefolgt von liberalen Kräften wie dem PP‑DB. Radev strebt eine absolute Mehrheit im 240‑köpfigen Parlament an, was, sollte es gelingen, eine erhebliche Verschiebung im politischen Gefüge Bulgariens bedeuten würde.