CF Montréal steckt in tiefer Krise – Trainer Marco Donadel entlassen
Fünf Niederlagen aus sechs Spielen, schwache Trainerbilanz und strukturelle Schwächen zwingen den Klub zu einem weiteren Umbruch trotz Verbindungen zum erfolgreichen Bologna FC.
- Nach der 2:1-Niederlage gegen Philadelphia reagiert CF Montréal mit einem weiteren Trainerwechsel
- finanzielle und organisatorische Defizite offenbaren tiefere Probleme.
Nach Angaben wurde CF Montréal unmittelbar nach der 2:1-Niederlage gegen den Philadelphia Union handlungsfähig: Cheftrainer Marco Donadel und mehrere seiner Assistenten wurden entlassen. Die Niederlage schloss an eine Serie von fünf Pleiten in den ersten sechs Saisonspielen an und rückte den Klub in der MLS-Tabelle in bedenkliche Regionen.
Im Mittelpunkt der Kritik steht Donadels sportliche Bilanz. Seine Amtszeit folgte auf eine Interimsepoche, in der er 34 Punkte aus 35 Partien sammelte, was 0,97 Punkte pro Spiel entspricht und die schlechteste Quote unter den elf Coachs ist, die Montréal seit dem MLS-Einstieg 2012 geführt haben. In der laufenden Saison sank diese Rate vor seiner Entlassung weiter auf 0,88 Punkte pro Begegnung, sodass die Klubführung den Schritt zur Ablösung entschied.
Daneben werfen Beobachtungen Fragen zur Klubstruktur und den sportlichen Prioritäten auf. Besitzer Joey Saputo investiert seit 2014 stark in Bologna FC, das zuletzt sportlich mehr Erfolg verzeichnete. Trotz familiärer Verflechtungen in der Führungsebene von Montréal – zwei Söhne Saputos sind dort in verantwortlichen Positionen – haben sich daraus keine sichtbaren Vorteile für die MLS-Niederlassung ergeben; Montréal bleibt hinter dem sportlichen Niveau des italienischen Schwestervereins zurück.
Zugleich hat der Klub in den vergangenen Jahren wiederholt interne Spannungen nach sich gezogen. Die Umbenennung zu Club de Foot Montréal 2021 und das neue Logo stießen auf harsche Fanproteste, die sich bis zu Vandalismus an Stadion-Elementen ausdrückten. Am Spieltag reagierte die Führung ungewöhnlich restriktiv und verweigerte Trainer und Spielern den Medienzugang, was die Wahrnehmung einer tiefgreifenden Krise weiter verstärkte.
Der jüngste Trainerwechsel reiht sich in eine längerfristige Problemlage ein: Montréal hat über viele MLS-Saisons mit Kontinuitätsschwierigkeiten, bescheidenen Transferausgaben und einer begrenzten Einbindung von Eigengewächsen zu kämpfen. Diese Faktoren zusammen erklären, warum der Klub trotz Verbindungen zu einem erfolgreicher auftretenden Serien-A-Partner in sportlich prekären Gefilden verharrt.