Druck wächst, Ye als Headliner des Wireless Festivals in London abzuziehen
Nach dem Rückzug des Hauptsponsors wächst die Kritik an der Buchung von Ye; Veranstalter und weitere Geldgeber stehen unter Druck.
- Pepsi zieht Sponsoring zurück, Premier Keir Starmer verurteilt die Buchung
- Forderungen nach weiteren Sponsor-Abzügen und der Absage des Auftritts werden lauter.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur wächst der Druck, den amerikanischen Rapper Ye von der Headliner-Position beim diesjährigen Wireless Festival in London zu streichen. Als erster großer Schritt hat der Getränkekonzern Pepsi seine Rolle als Hauptsponsor der Veranstaltung in Finsbury Park zwischen dem 10. und 12. Juli zurückgezogen. Die Promotion für das Festival lief zuvor unter dem Branding Pepsi presents Wireless; nun steht die Organisation vor der Frage, wie sie mit dem Wegfall eines Schlüsselsponsors umgehen soll.
Gleichzeitig forderten Kommentatoren und Mitglieder der Politik andere Geldgeber auf, dem Beispiel zu folgen. Premierminister Keir Starmer äußerte sich besorgt über die Entscheidung, Ye auftreten zu lassen, und betonte, Antisemitismus müsse entschieden entgegengetreten werden. Seine Kritik richtet sich darauf, dass eine prominente Bühne in Großbritannien jüdische Menschen verunsichern könne, und er machte deutlich, dass öffentliche Verantwortung und Sicherheitsaspekte bei solchen Entscheidungen zu berücksichtigen seien.
Ye, der früher als Kanye West bekannt war, steht seit Jahren wegen antisemitischer Aussagen und Sympathiebekundungen für Adolf Hitler in der Kritik. Zu den fraglichen Vorfällen zählen unter anderem ein von ihm veröffentlichtes Lied mit dem Titel Heil Hitler sowie die Bewerbung eines T-Shirts mit Swastika-Motiv auf seiner Website. Im Januar veröffentlichte er eine Entschuldigung in Form eines offenen Briefs in einer Zeitung, in dem er die Äußerungen auf eine mehrere Monate andauernde manische Episode im Rahmen seiner bipolaren Störung zurückführte.
Festivalveranstalter äußerten sich zunächst nicht unmittelbar zu den Forderungen oder zu möglichen Konsequenzen für den geplanten Auftritt. Ye war als einer der wichtigsten Acts für etwa 150.000 Besucher über die drei Festivaltage angekündigt worden; die Buchung gilt damit als bedeutender Programmpunkt und wirtschaftlicher Faktor für das Ereignis. Beobachter sehen im Sponsorenausstieg und in der politischen Kritik einen Test dafür, wie Veranstalter und Unterstützer künftig mit Künstlern umgehen, die wiederholt mit extremistischen oder hetzerischen Äußerungen in Verbindung gebracht werden.