Ehemaliger Stabschef Yermak als Verdächtiger in großem Korruptionsverfahren genannt
Nationale Anti-Korruptionsbehörden: Etwa 9 Mio. Euro sollen 2021–2025 über Luxusimmobilienprojekt bei Kiew gewaschen worden sein.
- NABU und SAPO nannten Yermak in einer gemeinsamen Mitteilung als Mitglied einer verdächtigten Bande
- sechs weitere Personen wurden informiert.
Nach Angaben der Nationalen Anti‑Korruptions‑Büros (NABU) und der spezialisierten Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAPO) ist der ehemalige Leiter des Präsidialamts, Andrii Yermak, als Verdächtiger in einem umfangreichen Korruptionsverfahren benannt worden. Die Behörden schreiben einer organisierten Gruppe vor, zwischen 2021 und 2025 etwa neun Millionen Euro über ein Luxuswohnprojekt in der Nähe von Kiew gewaschen zu haben. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf ein Netzwerk, das nach Darstellung der Ermittler über Briefkastenfirmen, Bargeldtransaktionen und fingierte Finanzdokumente gearbeitet haben soll.
Zugleich teilten NABU und SAPO mit, dass am Dienstag neben dem Ex‑Stabschef sechs weitere Personen über Verdachtsmomente informiert wurden und die Untersuchungen andauern. In Übereinstimmung mit der ukrainischen Rechtspraktik nannte die gemeinsame Mitteilung den Namen des Betroffenen nicht ausdrücklich; nationale Medien identifizierten ihn jedoch übereinstimmend als Andrii Yermak. Die Behörden betonen, dass die Mitteilung einen Schritt im Ermittlungsverfahren darstellt, der noch nicht mit einer förmlichen Anklage gleichzusetzen ist.
Yermak, der im November sein Amt niederlegte, trat kurz vor Journalisten auf und verzichtete auf ausführliche Aussagen. Er erklärte, die Ergebnisse der laufenden Untersuchungen abwarten zu wollen. Dmytro Lytvyn, Berater des Präsidenten, hielt die Maßnahmen für vorläufig und mahnte, es sei zu früh, die prozessualen Schritte abschließend zu bewerten.
Daneben wirft das Verfahren ein Licht auf ein größeres Ermittlungsfeld, das in den vergangenen Monaten bereits mehrere einflussnahe Personen in den Fokus gerückt hat. Präsident Wolodymyr Zelenskyj wird in den Ermittlungen nicht als Beschuldigter genannt, doch die Vorgänge haben die Regierungspolitik belastet, weil mehrere dem Präsidenten nahestehende Akteure in Zusammenhang mit dem Fall genannt wurden. Die Ermittlungen zu möglichen Vermögensverschiebungen und dem vorgesehenen Bau von hochpreisigen Anwesen mit Gemeinschaftseinrichtungen laufen weiter, weitere rechtliche Schritte bleiben abzuwarten.