US-Bankenaufsicht: Bowman skizziert Kurs für schlankere Regeln, Stresstests und Stablecoin-Leitplanken
Fed-Vizechefin für Aufsicht Michelle Bowman hat im Kongress eine Agenda zur Entlastung kleiner Banken, zur Überarbeitung zentraler Kapital- und Stresstestregeln und zur Regulierung von Stablecoin-Emittenten umrissen.
- Bowman sieht das Bankensystem solide kapitalisiert und will Aufsicht stärker auf materielle Risiken und Transparenz ausrichten.
- Die Federal Reserve arbeitet an Änderungen an Stresstests, Leverage-Ratio, Basel-III-Umsetzung und am G‑SIB-Aufschlag.
- Für Community Banks sollen Regeln und Genehmigungsprozesse bei Fusionen und Neugründungen vereinfacht und besser zugeschnitten werden.
- Für Stablecoin-Emittenten sollen Vorgaben zu Kapital und Liquidität erarbeitet werden; zugleich kündigt Bowman Klarheit zur Behandlung von Digital-Assets im Bankensektor an.
- Die Fed verweist auf ein Ende der Nutzung von Reputationsrisiko in Prüfungen und auf eine geplante Regel gegen politisch oder religiös motiviertes Debanking.
Die Federal Reserve rückt in der Bankenaufsicht eine doppelte Zielsetzung in den Vordergrund: Sicherheits- und Stabilitätsanforderungen sollen erhalten bleiben, zugleich sollen Regeln und Aufsicht nach Risiko und Komplexität stärker zugeschnitten werden. Fed-Vizechefin für Aufsicht Michelle Bowman stellte diese Linie in einer Anhörung des US-Senats als Programm für die kommenden Monate dar.
Bowman beschreibt die Lage des Bankensektors als insgesamt stabil: Kapitalquoten seien hoch, Liquidität in den meisten Kategorien komfortabel, die Profitabilität stark. Gleichzeitig warnt sie vor einer Verschiebung von Kreditgeschäft und Zahlungsverkehr hin zu nichtbanklichen Finanzinstituten, die ohne vergleichbare Kapital- und Liquiditätsauflagen operieren. Daraus leitet sie ab, dass beaufsichtigte Banken mehr Spielraum für Innovation und Wettbewerb brauchen, ohne dass die Standards für Sicherheit und Solidität verwässert werden.
Ein Schwerpunkt liegt auf kleineren Instituten. Community Banks sollen nach Bowmans Darstellung nicht mit Aufsichtserwartungen belastet werden, die für globale Großbanken konzipiert sind. Sie nennt als Felder für Entlastung unter anderem Genehmigungsprozesse bei Fusionen und bei Neugründungen sowie neue Kapitaloptionen für Mutual Banks. Parallel verweist sie auf den laufenden EGRPRA-Überprüfungsprozess, der veraltete oder übermäßig belastende Regeln identifizieren und streichen soll.
Für große Banken nennt Bowman mehrere Bausteine der Kapitalarchitektur, die überarbeitet werden: Stresstests, die Supplementary Leverage Ratio, die Basel-III-Umsetzung und den Aufschlag für global systemrelevante Banken (G‑SIB). Bei den Stresstests betont sie mehr öffentliche Nachvollziehbarkeit, inklusive Modell-Offenlegung und transparenterer Szenariodesigns. Bei der Leverage-Ratio verweist sie auf die Logik eines Backstops: Wenn die Leverage-Anforderung zur bindenden Kennzahl werde, könne sie auch Aktivitäten mit niedrigen Risiken wie das Halten von Staatsanleihen unattraktiver machen. Für Basel III skizziert sie einen Ansatz, der von konkreten Risiken ausgeht und unter anderem die Behandlung von Hypotheken so weiterentwickeln soll, dass Banken nicht aus diesem Geschäft gedrängt werden.
Im Aufsichtsprozess stellt Bowman zusätzliche Änderungen in Aussicht. Sie verweist auf eine jüngst finalisierte Überarbeitung des Ratingsystems für große Institute, um Bewertungen besser mit der Gesamtverfassung eines Hauses abzugleichen. Außerdem läuft eine unabhängige externe Überprüfung der Bankeninsolvenzen des Jahres 2023, die Ursachen für Aufsichtslücken identifizieren und konkrete Verbesserungen liefern soll. Im selben Kontext betont Bowman, dass Reputationsrisiko nicht mehr Bestandteil der Prüfungsprogramme ist, und nennt eine geplante Regel, die Aufseher daran hindern soll, Banken zu politisch oder religiös motiviertem Debanking zu drängen. Auch die Veröffentlichung interner Aufsichtshandbücher soll die Transparenz erhöhen.
Ein weiterer Block betrifft Digital Assets. Bowman kündigt an, gemeinsam mit anderen Bankenaufsehern Regeln zu Kapital und Liquidität für Stablecoin-Emittenten zu entwickeln, wie es der GENIUS Act vorsieht, und zugleich die aufsichtsrechtliche Behandlung digitaler Vermögenswerte klarer zu definieren. Für Banken, FinTechs und Investoren wird damit relevant, wie schnell die interinstitutionelle Abstimmung vorankommt und ob die geplanten Änderungen in Stresstests und Kapitalregeln tatsächlich zu geringerer Volatilität und besserer Planbarkeit führen.