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Grauwale in San Francisco Bay sterben in alarmierender Zahl – Schiffs-Kollisionen häufige Todesursache

Studie zeigt gestiegene Walpräsenz seit 2018 und erhebliche Verluste durch Kollisionen mit Schiffen in der stark befahrenen Bucht.

JKCM News Redaktion 2 Min Lesezeit
Titelbild: Grauwale in San Francisco Bay sterben in alarmierender Zahl – Schiffs-Kollisionen häufige Todesursache
  • Forscher sehen Zusammenhang mit veränderten Nahrungsbedingungen
  • Naturschützer fordern verbindliche Regeln und Tempolimits für den Schiffsverkehr.

Nach Angaben einer in Frontiers in Marine Science veröffentlichten Studie sind Grauwale in der San Francisco Bay in den vergangenen Jahren in ungewöhnlich hoher Zahl verendet. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass mindestens 18 Prozent der Grauwale, die zwischen 2018 und 2025 in die Bucht eindrangen, gestorben sind. Bei mehr als 40 Prozent der geborgenen Kadaver fanden Forschende Verletzungen, die mit stumpfer Gewalt übereinstimmen und typischerweise auf Kollisionen mit Schiffen hindeuten.

Im Mittelpunkt der Analyse steht die veränderte Aufenthalts- und Nahrungsökologie der östlichen nordpazifischen Grauwale. Während die Tiere sonst lange Wanderungen zwischen den Lagunen in Baja California und arktischen Sommerfuttergebieten unternehmen und die Bucht bislang selten länger aufsuchten, zeigt sich seit 2018 eine deutlich häufigere Präsenz. Forschende sehen einen möglichen Zusammenhang mit klimabedingten Verschiebungen in der Beuteverfügbarkeit im Arktisraum, weshalb die Wale offenbar neue Futtergründe wie die San Francisco Bay aufsuchen; welche Beutetiere sie dort konkret nutzen, bleibt jedoch unklar.

Unterdessen haben lokale Initiativen begonnen, praktische Gegenmaßnahmen zu erproben. Das Marine Mammal Center hat das Programm Whale Smart gestartet, das Bootsführende schult, Walverhalten zu erkennen und Zusammenstöße zu vermeiden. In Alaska kooperierte eine Reederei mit WhaleSpotter, einem Anbieter von KI-gestützter Thermalerkennung, um Wale früher zu entdecken und Kursanpassungen zu ermöglichen.

Daneben nimmt der Ruf nach staatlichem Eingreifen zu. Die Umweltschutzorganisation Center for Biological Diversity hat gegen die US-Küstenwache geklagt mit der Begründung, dass bei der Festlegung von Schifffahrtsrouten die Auswirkungen auf Wale und Meeresschildkröten nicht ausreichend geprüft worden seien. Vertreterinnen der Organisation fordern verbindliche Maßnahmen wie verpflichtende Geschwindigkeitsbegrenzungen, weil freiwillige Vorgaben ihrer Einschätzung nach unzureichend befolgt würden.

Die Studie hebt hervor, dass die San Francisco Bay als vielbefahrener Schifffahrtskorridor eine besondere Gefährdung darstellt: Eine veränderte Walverteilung trifft hier auf dichten Schiffsverkehr, was offenbar die Zahl tödlicher Zusammenstöße erhöht. Die Autoren betonen damit die Dringlichkeit, Schutzmaßnahmen zu prüfen und zu verstärken, um weitere Verluste in dieser neu beobachteten Walgruppe zu verhindern.