Guardian-Kommentar kritisiert Trumps Rhetorik und Hegseths Kriegsjubel nach US-Angriffen auf Iran
Judith Levine wirft der US-Regierung vor, mit drastischen Drohungen und öffentlichem Triumphieren Politik zu betreiben, während Berichte über Tausende Tote, zerstörte Infrastruktur und hohe wirtschaftliche Schäden kursieren.
- Hegseth pries militärische Erfolge und nannte potenzielle weitere Ziele
- Trump hatte zuvor von der Auslöschung iranischer Zivilisation gesprochen, verfügte aber kurz darauf eine vorläufige Feuerpause.
Nach Angaben der Kommentarautorin Judith Levine zeigte sich in den Tagen nach den US‑Angriffen auf Ziele in Iran ein auffälliges Wechselspiel aus unverhohlenen Drohungen, triumphalen Darstellungen und einer sofortigen Unterbrechung der Kampfhandlungen. Präsident Trump habe öffentlich die Auslöschung der iranischen Zivilisation in Aussicht gestellt; wenige Stunden später kündigte er eine vorübergehende Feuerpause an. Diese Abfolge der Ereignisse steht im Zentrum der Kritik der Autorin.
Im Mittelpunkt des Beitrags steht zudem die Rolle von Pete Hegseth, den Levine als Secretary of War bezeichnet. Bei einer Pressekonferenz schilderte er den Einsatz als vollständigen Erfolg, zählte zahlreiche zerstörte militärische Einrichtungen und Fabriken auf und machte deutlich, dass weitere Ziele wie Kraftwerke, Brücken sowie Öl‑ und Energieinfrastruktur bei künftigen Angriffen infrage kämen. Levine hebt hervor, dass die gezielte Zerstörung solcher Einrichtungen nach völkerrechtlichen Maßstäben als Kriegsverbrechen gewertet werden kann.
Nach dem Schritt, mit dem die Regierung militärischen Druck ausübte und zugleich Erfolge verkündete, habe dies politische Effekte gezeitigt: Iran sei an den Verhandlungstisch zurückgekehrt, und Washington habe den Ausgang als strategischen Erfolg dargestellt. Zugleich stellt die Autorin die Frage nach den rechtlichen und moralischen Konsequenzen einer Politik, die auf Drohungen systematischer Zerstörung und punktuelle militärische Schlagkraft setzt, und kritisiert die öffentliche Inszenierung des Vorgehens.
Gleichzeitig analysiert Levine die innenpolitische Reaktion in den USA als geteilt. Nur wenige Republikaner übten demnach offen scharfe Kritik; die frühere Abgeordnete Marjorie Taylor Greene bezeichnete Trumps Äußerungen als bösartig und forderte Maßnahmen nach dem 25. Verfassungszusatz. Der texanische Abgeordnete Nathaniel Moran sprach sich ausdrücklich gegen die Vernichtung einer gesamten Zivilisation aus. Ein geplanter Kongressvorstoß zu den Kriegsbefugnissen eines Demokraten wurde nach Angaben des Beitrags vom republikanischen Vorsitzenden der Sitzung unterbunden.
Daneben bemängelt Levine, dass die Mischung aus Drohkulisse und punktuellen Angriffen grundlegende Fragen offenlasse: Zwar könne kurzzeitiger Druck politische Zugeständnisse erzwingen, doch blieben rechtliche, humanitäre und ethische Kosten ebenso wenig thematisiert wie die langfristigen Folgen für Stabilität und Glaubwürdigkeit der US‑Außenpolitik.