IWF: US-Defizite bleiben hoch, Schuldenquote könnte bis 2031 auf 140 Prozent des BIP steigen
Der IWF erwartet für 2026 ein Wachstum der US-Wirtschaft, warnt aber vor anhaltend hohen Defiziten, einem Schuldenpfad Richtung 140 Prozent des BIP bis 2031 und vor Preis- sowie Wachstumsfolgen neuer Zölle und strengerer Migrationspolitik.
- Der IWF erwartet für 2026 ein reales BIP-Wachstum von rund 2,4 Prozent (Q4/Q4) und sieht die Inflation durch neue Zölle kurzfristig höher.
- Neue Zölle könnten das Preisniveau nach IWF-Schätzung um etwa 0,5 Prozent bis Anfang 2026 erhöhen und das Outputniveau um rund 0,5 Prozent senken.
- Der IWF veranschlagt den gesamtstaatlichen Finanzierungssaldo in den nächsten Jahren bei etwa minus 7 bis minus 8 Prozent des BIP; die Schuldenquote könnte bis 2031 auf rund 140 Prozent steigen.
- Im Basisszenario unterstellt der IWF zusätzliche Zolleinnahmen von etwa drei Viertel Prozent des BIP, aber auch negative Effekte auf Nachfrage und Produktivität.
- Bei stärkerer Einschränkung von Zuwanderung sieht der IWF eine Verringerung des Aktivitätsniveaus um etwa 0,4 Prozent bis 2027.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in seiner aktuellen Länderprüfung für die USA ein Spannungsfeld beschrieben: Die Konjunktur bleibt nach Einschätzung der Mission robust, gleichzeitig steigen die mittelfristigen fiskalischen Risiken. In einer Staff Concluding Statement zur Article-IV-Konsultation sowie in einer anschließenden Presseunterrichtung benennt der Fonds insbesondere den Schuldenpfad, die Auswirkungen neuer handelspolitischer Maßnahmen und die Rolle der Migration für das Wachstumspotenzial.
Im Basisszenario rechnet der IWF für 2026 mit einem realen Wachstum von rund 2,4 Prozent auf Q4/Q4-Basis. Die Inflation habe sich zwar deutlich vom Hoch gelöst, bleibe aber ein zentraler Parameter für die Geldpolitik, weil neue kostentreibende Impulse möglich seien. Der Fonds betont in diesem Kontext, dass die geldpolitische Ausrichtung weiterhin datenabhängig bleiben müsse und dass die Balance zwischen Inflationsrisiko und Wachstumsabkühlung sensibel sei.
Eine zentrale Annahme betrifft Zölle. Der IWF unterstellt in seinem Szenario zusätzliche Zolleinnahmen von etwa drei Viertel Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Gleichzeitig skizziert der Fonds negative Nebenwirkungen: Neue Zölle könnten das Preisniveau nach IWF-Schätzung um etwa 0,5 Prozent bis Anfang 2026 erhöhen und das Outputniveau um rund 0,5 Prozent senken. Neben dem direkten Preiseffekt nennt der Fonds auch indirekte Kanäle, etwa Unsicherheit, geringere Investitionen und mögliche Vergeltungsmaßnahmen, die sich auf Produktivität und Handel auswirken können. Die tatsächliche Größenordnung hängt laut IWF stark von Ausgestaltung, Dauer und Reaktionen der Handelspartner ab.
Noch stärker fällt die fiskalische Diagnose aus. Der IWF erwartet für die nächsten Jahre einen gesamtstaatlichen Finanzierungssaldo in der Größenordnung von minus 7 bis minus 8 Prozent des BIP. Daraus ergebe sich ein Schuldenpfad, bei dem die Staatsverschuldung bis 2031 auf etwa 140 Prozent des BIP steigen könnte. Der Fonds plädiert für eine glaubwürdige Konsolidierungsstrategie, die mittelfristig Primärüberschüsse ermöglicht und gleichzeitig die Wachstumsbasis schützt. In den Empfehlungen tauchen sowohl Ausgabenseite als auch Einnahmeseite auf; der IWF argumentiert dabei mit der Notwendigkeit, die Schuldenquote zu stabilisieren und Zinsrisiken zu begrenzen.
Auch die Migrationspolitik wird in der Analyse als makroökonomischer Faktor behandelt. Der Fonds schätzt, dass eine stärkere Einschränkung der Zuwanderung das Aktivitätsniveau bis 2027 um etwa 0,4 Prozent senken könnte. Hintergrund ist, dass ein geringeres Arbeitskräfteangebot nicht nur die kurzfristige Beschäftigung, sondern auch das langfristige Potenzialwachstum beeinflussen kann. Der IWF verweist zudem auf mögliche Folgen für bestimmte Branchen, in denen Arbeitskräfteengpässe strukturell eine größere Rolle spielen.
Insgesamt ordnet der IWF die USA damit als Volkswirtschaft ein, deren kurzfristige Dynamik stark ist, deren mittelfristige Stabilität aber durch Fiskalpfad und politische Maßnahmen belastet werden kann. Für Märkte ist die Kombination aus hohen Defiziten, potenziell höherer Inflationsdynamik durch Zölle und Änderungen im Arbeitskräfteangebot relevant, weil sie Erwartungen an Zinsniveau, Risikoaufschläge und Wachstumsraten beeinflusst. Der Fonds betont, dass Transparenz, verlässliche Rahmenbedingungen und konsistente Kommunikation entscheidend sind, um Unsicherheit und Volatilität zu begrenzen.