Kiew kritisiert Ägypten nach Entladung eines Schiffs mit mutmaßlich aus besetzten Gebieten geraubtem Getreide
Ukrainischer Außenminister Andrii Sybiha wirft Kairo vor, dem Frachter Asomatos die Entladung von 26.900 Tonnen Weizen in Abu Qir gestattet zu haben. Kiew bezeichnet die Fracht als aus von Russland besetzten Gebieten entwendet und sieht Vereinbarungen verletzt.
Nach Angaben des ukrainischen Außenministers Andrii Sybiha hat Ägypten dem Massengutfrachter Asomatos die Entladung von 26.900 Tonnen Weizen im Hafen Abu Qir erlaubt. Kiew zufolge handelt es sich bei der Ladung um Getreide, das aus von Russland besetzten Teilen der Ukraine abtransportiert worden sei; Sybiha kritisierte die Erlaubnis als Verstoß gegen bilaterale Zusagen.
Sybiha veröffentlichte seine Vorwürfe auf der Plattform X und erläuterte, die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft habe vor vier Tagen formell um rechtliche Unterstützung beim ägyptischen Justizministerium gebeten. Demnach habe die Ukraine sämtliche Daten und juristischen Grundlagen vorgelegt, die nach ihrer Auffassung eine Beschlagnahme des Schiffs und seiner Ladung rechtfertigen würden.
Im Mittelpunkt der Anschuldigungen steht das Unternehmen Agro‑Frigat, das Kiew zufolge auf der von Russland kontrollierten Krim tätig sei und Sanktionen unterliege. Die ukrainische Regierung fordert Ägypten demnach auf, internationales Recht zu wahren und die in den bilateralen Beziehungen getroffenen Zusagen zur Verhinderung von Lieferungen aus temporär besetzten Gebieten umzusetzen.
Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte das Thema bereits im April mit Ägyptens Präsident Abdel Fattah El‑Sisi erörtert; El‑Sisi habe zugesichert, künftig keine aus temporär besetzten Gebieten stammenden Getreidelieferungen mehr anzunehmen. Kiew bemängelt jedoch, dass seit dieser Zusage weiterhin Schiffe in ägyptischen Häfen zugelassen worden seien.
Zugleich verweist die ukrainische Seite auf mehrere Vorfälle seit April, bei denen Getreide über ägyptische Häfen abgewickelt worden sein soll. Bereits zuvor hatten ähnliche Vorwürfe zu diplomatischen Spannungen geführt, unter anderem im Zusammenhang mit einem Schiff, dessen Entladung in Haifa verschoben worden war.
Die gegenwärtigen Anschuldigungen könnten die bilateralen Beziehungen und die diplomatische Kommunikation zwischen Kiew und Kairo belasten. Die ukrainische Regierung betont ihre Rolle als verlässlicher Partner für die ägyptische Ernährungssicherheit und fordert, dass Vereinbarungen zur Verhinderung von Warenlieferungen aus temporär besetzten Gebieten strikt eingehalten werden.