Kratom‑Vergiftungen in den USA stark gestiegen – Experten sehen synthetische 7‑OH als Auslöser
Ein CDC‑Bericht verzeichnet einen starken Anstieg kratombezogener Notrufe; Experten machen synthetische Derivate wie 7‑OH verantwortlich und warnen vor den Folgen pauschaler Verbote für Anwender.
- Fachleute heben die Unterscheidung zwischen traditionellem Kratom und synthetisch angereicherten Produkten hervor
- Vermischung in Produktwerbung und Meldungen erhöht demnach das Risiko für Konsumenten.
Nach Angaben der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) sind kratombezogene Vergiftungen in den USA in den vergangenen zehn Jahren deutlich angestiegen, mit einem besonders starken Zuwachs im Jahr 2025. Experten führen den sprunghaften Anstieg vor allem auf die Verbreitung synthetischer Derivate wie 7‑Hydroxymitragynin (7‑OH) zurück, das in erheblich höheren Konzentrationen als im natürlichen Blatt angeboten wird und seit etwa 2024 in Energy‑Drinks und Mischprodukten auftaucht.
Im Mittelpunkt der Kritik steht die pharmakologische Differenz zwischen natürlichem Kratom (Mitragyna speciosa) und 7‑OH. Fachleute betonen, dass 7‑OH Eigenschaften aufweist, die Opioiden ähneln, darunter ein erhöhtes Suchtpotenzial, stärkere Entzugserscheinungen und die Gefahr einer herabgesetzten Atemfrequenz. Diese Merkmale erklären nach Ansicht von Forschern, warum die Zahl der Notrufe in Verbindung mit Kratom‑Produkten in den CDC‑Daten deutlich zugenommen hat.
Zugleich verweisen Wissenschaftler auf frühere Bewertungen und Studien, die natürliche Kratomprodukte vergleichsweise weniger riskant eingestuft haben. So hatte eine regulatorische Entscheidung 2018 eine Einordnung als Schedule‑I‑Substanz abgelehnt, und eine Pilotstudie der FDA aus dem Jahr 2019 zeigte keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse bei Probanden; Übelkeit und Erbrechen wurden als bekannte Nebenwirkungen genannt. Diese Befunde unterstreichen nach Ansicht von Experten die Notwendigkeit, synthetisch angereicherte Produkte klar von traditionellen Präparaten zu unterscheiden.
Unterdessen stößt die Debatte um flächendeckende Kratomverbote in mehreren US‑Bundesstaaten auf Widerstand. Nutzerbefragungen legen nahe, dass viele Konsumenten Kratom zur Linderung chronischer Schmerzen oder zur Unterstützung bei Entzugs‑ und Rehabilitationsprozessen nutzen. Betroffene berichten, natürliche Kratomprodukte hätten ihnen geholfen, Entzugssymptome zu mildern, ohne die ausgeprägten berauschenden Effekte klassischer Opioide zu erzeugen.
Daneben warnen Experten, dass die Vermischung von Werbung für synthetische Alkaloide und traditionellen Produkten sowie die Gleichsetzung beider in Notrufmeldungen die öffentliche Wahrnehmung verzerrt und die Verbraucher gefährdet. Sie fordern eine klarere Kennzeichnung und strengere Kontrollen für Produkte, die 7‑OH enthalten, um akute Gesundheitsrisiken zu reduzieren, ohne Menschen zu beeinträchtigen, die natürliche Kratom‑Präparate therapeutisch nutzen.