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Lehren aus den 1970ern machen US- und Weltwirtschaft widerstandsfähiger gegen Öl‑Schocks

Angriffe im Nahen Osten und Sperrungen der Straße von Hormus treiben die Ölpreise, doch strukturelle Reformen seit den 1970ern dämpfen die ökonomischen Folgen.

AP 2 Min Lesezeit
Titelbild: Lehren aus den 1970ern machen US- und Weltwirtschaft widerstandsfähiger gegen Öl‑Schocks
Fünf Jahrzehnte Energiepolitik — Effizienz, Vorräte und Diversifizierung — mindern heute die Schockwirkung hoher Ölpreise.

Nach Angaben der Associated Press haben Angriffe, die am 28. Februar begannen, faktisch zur Schließung der Straße von Hormus geführt. Durch diese Passage flossen zuvor rund 20 Millionen Barrel Öl täglich, etwa ein Fünftel der weltweiten Produktion, sodass die aktuellen Unterbrechungen zu einem der gravierendsten Lieferausfälle seit Jahrzehnten zählen.

Im Mittelpunkt steht jedoch die Feststellung von Experten, dass die US‑ und Weltwirtschaft heute weniger anfällig sind als in den 1970er Jahren. Auf die Ölkrisen von 1973 und Ende der 1970er Jahre folgten Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz, der Aufbau strategischer Treibstoffreserven und die Förderung alternativer Energiequellen. Diese Entwicklungen haben den Anteil von Öl am globalen Energiemix von etwa 46 Prozent in den 1970ern auf rund 30 Prozent im Jahr 2023 verringert und damit die Verwundbarkeit reduziert.

Gleichzeitig schätzt der Ökonom Lutz Kilian vom Center for Energy and the Economy der Federal Reserve Bank of Dallas, dass sich etwa fünf Millionen Barrel pro Tag umleiten lassen — etwa über Routen durch das Rote Meer oder teilweise weiterhin durch die Straße von Hormus — während nach seinen Berechnungen rund 15 Millionen Barrel pro Tag fehlen. Diese Lücke ist größer als bei früheren Schocks; die Embargos der 1970er Jahre und der kurzfristige Ausfall nach der Invasion Kuwaits 1990 betrafen deutlich kleinere Anteile der weltweiten Fördermenge.

Zugleich machen die Analysen deutlich, dass strukturelle Verbesserungen die Belastungen nicht aufheben. Für Verbraucher und Unternehmen sind die Folgen unmittelbar spürbar: US‑Kraftstoffpreise steigen, europäische Landwirte sehen sich mit höheren Düngerpreisen konfrontiert, und Händler in Schwellenländern geraten in Versorgungsengpässe. Experten wie Amy Myers Jaffe von der New Yorker Universität verweisen aber auf die größere Erfahrung von Regierungen und Märkten im Umgang mit Ölpreisschocks, die seit den 1970ern aufgebaut wurde.

Daneben betonen Berichterstattung und Analysten, dass Diversifizierung, Vorratspolitik und Effizienzstandards zwar die unmittelbaren wirtschaftlichen Folgewirkungen abmildern, die Risiken jedoch nicht eliminieren. Solange globale Nachfrage und logistische Engpässe anhalten, bleibt Preisdruck möglich; strukturelle Maßnahmen können deshalb vor allem die Robustheit erhöhen, nicht aber jede kurzfristige Störung vollständig kompensieren.