MLS stellt immer weniger Stammspieler für US‑Mannschaft bei Heim‑WM — Einfluss verschiebt sich in die Akademien
Historische Vergleiche zeigen einen deutlichen Rückgang von MLS‑Stammspielern bei Weltmeisterschaften; die Liga bleibt gleichwohl ein wichtiger Lieferant junger Talente durch ihre Akademien.
Nach Angaben des Guardian hat sich die Rolle der Major League Soccer (MLS) in der Laufbahn von Spielern der US‑Männernationalmannschaft spürbar verschoben: Weg von der Bereitstellung etablierter Stammkräfte, hin zur systematischen Nachwuchsförderung. Als die USA 1998 zum ersten Mal an einer WM teilnahmen, standen noch 16 MLS‑Profis im 22‑Kader; seither ist die Zahl der MLS‑Starter bei Weltmeisterschaften kontinuierlich gesunken.
Zugleich dokumentieren historische Werte diesen Trend detailliert: Bei der erfolgreichen WM‑Teilnahme 2002 begannen im Schnitt 5,4 MLS‑Spieler pro Partie; 2006 waren es 3,33, 2010 sank der Wert auf zwei und 2022 lag der Schnitt bei nur noch einem MLS‑Starter. Die Ausnahme bildete 2014, als eine gezielte Aktion der Liga, mehrere prominente Nationalspieler mit hohen Verträgen zu verpflichten, zu einem vorübergehenden Anstieg führte.
Im Mittelpunkt der aktuellen Vorschau auf die Heim‑WM steht die Einschätzung, dass höchstens zwei MLS‑Akteure in den möglichen Startformationen der USA stehen könnten: Torhüter Matt Freese (NYCFC) oder alternativ Matt Turner (New England Revolution) sowie der routinierte Verteidiger Tim Ream (Charlotte FC). Andere inländisch aktiven Kandidaten werden in dieser Betrachtung meist als Ersatzspieler oder Perspektivkandidaten geführt, nicht als gesetzte Starter.
Daneben zeigt sich ein weniger offensichtlicher, aber gewichtiger Einfluss der Liga: Ein Großteil der potenziellen WM‑Teilnehmer hat MLS‑Wurzeln. Von den 27 Spielern, die in der Prognose als im Kader oder diskutabel geführt werden, stammen 19 aus MLS‑Akademien. Das legt nahe, dass MLS‑Beitrag zur Nationalmannschaft zunehmend über Ausbildung und frühe Profistationen erfolgt, statt durch fertig etablierte Erstliga‑Stars.
Gleichzeitig bringt die geringe Zahl domestischer Stammspieler eine kommunikative Herausforderung für die Liga mit sich: Bei einem Turnier im eigenen Land werden Fans seltener einheimische Spieler in der Startelf sehen, die sie regelmäßig in MLS‑Stadien verfolgen. Unterdessen bleibt die Liga aber ein zentraler Baustein im Entwicklungsnetzwerk des US‑Fußballs, weil sie Talente formt, die später international gefragt sind.