Ölpreise steigen nach US‑Iran‑Zwischenfall in der Straße von Hormus deutlich
Ein stundenlanger Stopp der Schifffahrt in der strategischen Meerenge treibt die Ölpreise nach oben; US‑Rohöl legte am Sonntag kräftig zu.
Nach Angaben des US‑Marktes kletterten die Ölpreise am frühen Sonntag deutlich, nachdem ein Zwischenfall zwischen US‑Streitkräften und Iran Handelsschiffe an der Straße von Hormus am Weiterfahren gehindert hatte. US‑Rohöl zog binnen einer Stunde nach Handelsbeginn an der Chicago Mercantile Exchange um 6,4 Prozent an und erreichte 87,90 US‑Dollar je Barrel; der internationale Referenzwert Brent stieg zeitgleich um 5,8 Prozent auf 95,64 US‑Dollar je Barrel.
Im Mittelpunkt der plötzlichen Kursbewegung stand ein abruptes Ende einer Phase wechselnder Erwartungen: Am Freitag hatten die Preise noch mehr als neun Prozent verloren, nachdem Iran zunächst erklärt hatte, die Meerenge vollständig für kommerzielle Schiffe wieder freigeben zu wollen. Diese Zusage wurde später zurückgenommen, und iranische Einheiten feuerten nach Angaben aus dem Umfeld der Vorfälle auf mehrere Schiffe.
Gleichzeitig erklärte US‑Präsident Donald Trump, eine von der US‑Marine verhängte Blockade iranischer Häfen bleibe bestehen. Er sagte, die USA hätten ein iranisch gezeichnetes Frachtschiff angegriffen und gewaltsam übernommen, weil es versucht habe, die Blockade zu umgehen. Der gemeinsame militärische Stab Irans kündigte eine Erwiderung an. Die Vorfälle ließen schnell Zweifel daran aufkommen, wie rasch die enormen Öltransporte aus dem Nahen Osten wieder regulär aufgenommen werden könnten.
Die aktuelle Eskalation folgt einem bereits andauernden Krieg zwischen den USA und Israel auf der einen Seite und Iran auf der anderen, der sich mittlerweile in die achte Woche erstreckt. Marktteilnehmer beobachten die Lage in der Straße von Hormus weiterhin als Schlüsselfaktor für die globale Energieversorgung; ausbleibende Lieferungen und Förderkürzungen haben bereits spürbare Auswirkungen auf die Preise von Benzin, Diesel und Kerosin in Asien und Europa.
Zugleich machen die starken Ausschläge deutlich, wie fragil die Erholungserwartungen des Marktes sind: Die am Wochenende verzeichneten Aufschläge hoben große Teile des Rückgangs vom Freitag wieder auf und zeigten, dass erneute Störungen in der Meerenge unmittelbar auf die Rohölpreise durchschlagen können. Analysten warnen, dass eine längere Sperrung der Straße von Hormus weitere Preisanstiege nach sich ziehen würde.