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Organisator des Wireless Festival verteidigt Auftritt von Ye, Sponsoren ziehen sich zurück

Festival-Chef Melvin Benn bittet um Nachsicht und verteidigt die Verpflichtung von Ye, nachdem mehrere Sponsoren ihre Unterstützung zurückgezogen haben.

AP 2 Min Lesezeit
Titelbild: Organisator des Wireless Festival verteidigt Auftritt von Ye, Sponsoren ziehen sich zurück
Festivalleitung hält am geplanten Ye‑Auftritt im Juli fest, obwohl Großsponsoren abgesprungen sind und politische Kritik laut wurde.

Nach Angaben des Veranstalters steht Melvin Benn, Managing Director von Festival Republic, zu der Entscheidung, den Rapper Ye als Hauptact des Wireless Festival zu engagieren, und bat die Öffentlichkeit um Nachsicht. In einer veröffentlichten Erklärung verteidigte Benn die Buchung und forderte dazu auf, dem Künstler eine zweite Chance zuzugestehen, nachdem die Ankündigung eine Welle der Empörung ausgelöst hatte.

Zugleich zogen mehrere Großsponsoren ihre Unterstützung zurück: Pepsi, Rockstar Energy und Diageo haben sich vom Festival in London getrennt, nachdem Ye als Headliner bestätigt worden war. Die Abgänge folgten unmittelbar auf die Bekanntgabe der Verpflichtung; die Unternehmen stellten keine detaillierten Gründe für ihren Rückzug in der Mitteilung zum Festival dar. Die Auftritte sind für den Zeitraum 10. bis 12. Juli geplant, an dem das Festival über die drei Nächte hinweg rund 150.000 Besucher erwartet.

Im Mittelpunkt der Debatte stehen wiederholte, vielfach verurteilte Äußerungen von Ye, darunter antisemitische Kommentare und ausdrücklich geäußerte Bewunderung für Adolf Hitler. Die Kontroverse spitzte sich zu, nachdem er im vergangenen Jahr einen Song mit dem Titel 'Heil Hitler' veröffentlichte und ein T‑Shirt mit einem Hakenkreuz zum Verkauf anbot. Im Januar veröffentlichte Ye eine ganzseitige Anzeige in der Wall Street Journal, in der er sich für frühere antisemitische Aussagen entschuldigte und seine Erkrankung als Einfluss auf sein Verhalten nannte.

Daneben ist auch die politische Reaktion in London bemerkbar: Premierminister Keir Starmer bezeichnete die Verpflichtung des Künstlers als 'tief besorgniserregend'. Benn wies in seiner Stellungnahme darauf hin, dass das Festival dem Musiker keine Plattform bieten wolle, um politische oder ideologische Positionen zu verbreiten, sondern ihm lediglich die Möglichkeit gebe, bekannte Songs vorzutragen, die regelmäßig im Radio und in Streamingdiensten gespielt würden.

Inzwischen verweisen Verantwortliche beim Festival auf jüngste öffentliche Auftritte des Künstlers in den USA als einen Faktor in der Entscheidungsfindung: Letzte Woche bestritt Ye zwei Konzerte im SoFi Stadium in Los Angeles, seine ersten größeren Auftritte in den USA seit fast fünf Jahren. Sponsorabgänge und politische Kritik haben die Debatte um die Buchung jedoch weiter angefacht und werfen Fragen zur Balance zwischen künstlerischer Verpflichtung und gesellschaftlicher Verantwortung auf.