Satellitenstudie: Künstliche Helligkeit der Erde nahm 2014–2022 netto um 16% zu, Entwicklung aber volatil
Nasa-finanzierte Forscher werteten 1,16 Millionen Nachtaufnahmen aus und zeigen regionale Helligkeitsverschiebungen, beeinflusst durch Pandemie, Energiepolitik und wirtschaftliche Krisen.
Nach Angaben einer Nasa-geförderten Studie der University of Connecticut ist die künstliche Helligkeit der Erde zwischen 2014 und 2022 netto um 16% gestiegen. Die Untersuchung wertete rund 1,16 Millionen Satellitenaufnahmen pixelgenau aus und nahm gezielt Korrekturen für Mondlicht, Wolken und atmosphärische Störeinflüsse vor, um echte Veränderungen der nächtlichen Lichtemissionen zu erfassen. Trotz des globalen Zuwachses zeichnet sich demnach kein gleichförmiges Muster ab; vielmehr zeigen die Daten starke räumliche und zeitliche Schwankungen.
Im Mittelpunkt der Analyse standen Aufnahmen des Visible Infrared Imaging Radiometer Suite, die jeweils knapp nach 1.30 Uhr Ortszeit aufgenommen wurden. Diese konsistente Zeitwahl erlaubte es den Forschern, Zunahmen und Abschwächungen der Beleuchtung vergleichbar zu machen. Rein numerisch ergab sich eine 34-prozentige Zunahme der globalen Strahlungsstärke, doch lokale Dimmungen in vielen Regionen reduzierten diesen Wert auf ein Nettowachstum von 16 Prozent.
Zugleich offenbaren die Ergebnisse ausgeprägte regionale Unterschiede. Asien führt die Helligkeitszunahme an; insbesondere China und Nordindien verzeichneten markante Zuwächse im Zuge von Urbanisierung und Infrastrukturentwicklung. In Europa zeigte sich eine spürbare Dämpfung der nächtlichen Beleuchtung, die mit Energieeffizienzmaßnahmen und politischen Regulierungen in Verbindung gebracht wird. Frankreich weist demnach eine Dimmung um rund 33% auf, das Vereinigte Königreich etwa 22% und die Niederlande circa 21%.
Die Studie macht zudem deutlich, dass soziale und wirtschaftliche Schocks die nächtliche Lichtlandschaft beeinflussen. Lockdowns, ein Rückgang der industriellen Aktivität und weniger Tourismus während der Coronavirus-Pandemie führten in vielen Gebieten zu vorübergehenden Abschwächungen. Jüngere Entwicklungen wie der Krieg zwischen Russland und der Ukraine hinterließen sichtbare Signaturen in der Region, und wirtschaftliche Krisen sorgten andernorts für deutliche Helligkeitsverluste.
Daneben dokumentieren die Visualisierungen der Studie vielfältige lokale Muster von Aufbau, Erhalt, Zerstörung und Rückgang. Die Forschenden beschreiben die Entwicklung nicht als einfache Aufhellung, sondern als ein dynamisches, teils widersprüchliches Bild von Veränderungen in Echtzeit. Die veröffentlichten Karten und Zeitreihen veranschaulichen, wie Faktoren wie Energiepolitik, Konjunktur und gesellschaftliche Einschnitte das nächtliche Leuchtbild der Erde simultan formen.