Wisden-Editor bewertet Englands Ashes-Debakel als 'feckless, reckless and legless'
Lawrence Booth rügt Vorbereitung, Auftreten und den Umgang mit Vorfällen während der Tour nach Englands 4:1-Niederlage in Australien
Nach Angaben des Herausgebers des Wisden Almanack fällt die Bilanz der englischen Mannschaft nach der 4:1-Niederlage in Australien vernichtend aus. Lawrence Booth bezeichnete die Leistung und Einstellung des Teams in den editorischen Anmerkungen der 163. Ausgabe des Almanachs als feckless, reckless and legless — leichtfertig, rücksichtslos und kraftlos. Er sieht die Tour als vergeudete Chance und spricht von einer Entwicklung, die dem Anspruch, eine Ära zu begründen, komplett widersprochen habe.
Im Mittelpunkt der Kritik stehen sowohl sportliche Defizite als auch organisatorische Versäumnisse. Booth listet schlechte Auftritte auf dem Feld, unzureichende Vorbereitung und wiederkehrende Hinweise auf eine Trinkkultur als zentrale Probleme, die zum Scheitern beitrugen. Gleichzeitig bemängelt er, dass Beschwerden und Vorfälle nicht rechtzeitig und transparent aufgearbeitet wurden, wodurch wichtige Gelegenheiten zur Klärung und zur Rückbesinnung auf die Pflichten der Mannschaft verpasst worden seien.
Zugleich richtet Booth scharfe Worte an das Führungspersonal. Trotz der deutlichen Niederlagenserie blieben Kapitän Ben Stokes, Cheftrainer Brendon McCullum und Cricket-Direktor Rob Key nach einer Überprüfung durch den nationalen Verband in ihren Ämtern. Aus Sicht des Herausgebers hätte das Management entschlossener reagieren und Verantwortliche früher zur Rechenschaft ziehen müssen, um sowohl sportliche als auch kulturelle Probleme nachhaltig anzugehen.
Inzwischen benennt Booth einen konkreten Vorfall als verpasste Chance zur Klärung: eine Auseinandersetzung in Wellington, bei der White-Ball-Kapitän Harry Brook im Vorfeld eines One-Day-Internationals in Neuseeland angegriffen wurde und die erst nach dem fünften Ashes-Test öffentlich wurde. Er argumentiert, drei Wochen vor dem Perth-Test wäre genügend Zeit gewesen, den Fall offen zu behandeln, Konsequenzen zu ziehen und die Mannschaft an ihre professionellen Verpflichtungen während der Tour zu erinnern. Dabei zieht er Parallelen zu früheren Skandalen, die bereits Zweifel an der Teamkultur gesät hatten.
Daneben verweist Booth auf die symbolische Bedeutung des Debakels für das Selbstverständnis des englischen Testcrickets. Was als Chance galt, ein Kapitel zu prägen, sei in seinen Worten zu einem Beispiel für dilettantisches Handeln verkommen. Die harsche Bewertung des Wisden-Herausgebers stellt damit nicht nur sportliche Mängel fest, sondern fordert auch eine ernstere, schnellere Auseinandersetzung mit dem Verhalten innerhalb des Umfelds der Mannschaft.