CoreWeave‑Aktie verliert rund 10% nach leichter Q2‑Prognose und angehobenen Capex‑Plänen
Der KI‑Infrastructure‑Anbieter übertraf im ersten Quartal die Umsatzerwartungen, löste jedoch mit einer verhaltenen Q2‑Prognose und erweiterten Investitionsplänen Gewinnmitnahmen aus.
Nach Angaben von CoreWeave drehte sich die nachbörsliche Euphorie nach den Quartalszahlen rasch ins Gegenteil: Die Aktie fiel im Handel um bis zu zehn Prozent, nachdem das Unternehmen eine für das zweite Quartal vergleichsweise zurückhaltende Umsatzspanne genannt und seine Investitionsplanung für 2026 angehoben hatte.
Im ersten Quartal erzielte CoreWeave einen Umsatz von 2,08 Milliarden Dollar und übertraf damit den LSEG‑Konsens von 1,97 Milliarden. Zugleich weitete sich der ausgewiesene Nettoverlust auf 740 Millionen Dollar aus, verglichen mit 315 Millionen Dollar im Vorjahresquartal. Auf bereinigter Basis wies das Unternehmen einen Verlust je Aktie von 1,12 Dollar aus, während Analysten im Schnitt einen Verlust von 90 Cent erwartet hatten.
Für das zweite Quartal stellte das Management eine Umsatzspanne von 2,45 bis 2,60 Milliarden Dollar in Aussicht; der Mittelwert von 2,53 Milliarden liegt unter dem Konsens von 2,69 Milliarden. Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte CoreWeave die bisherige Umsatzprognose von 12 bis 13 Milliarden Dollar. Anleger reagierten empfindlich auf den kurzfristigen Ausblick, der die zuvor hohen Erwartungen nicht erfüllte, obwohl die Jahresziele unverändert blieben.
Gleichzeitig stiegen die Kosten deutlich: Technologie‑ und Infrastrukturaufwendungen kletterten um 127 Prozent auf 1,27 Milliarden Dollar, Vertriebs‑ und Marketingkosten zogen ebenfalls spürbar an. Das Unternehmen machte diese Ausgaben für den beschleunigten Ausbau seiner Rechenzentren verantwortlich, mit dem Ziel, große KI‑Kunden zu bedienen.
CoreWeave gab an, im ersten Quartal 8,5 Milliarden Dollar neue Schulden aufgenommen und das Quartal mit nahezu 25 Milliarden Dollar Verbindlichkeiten abgeschlossen zu haben. Parallel meldete das Unternehmen etwa 3,5 Gigawatt vertraglich zugesicherter Leistung und einen Umsatz‑Backlog von 99,4 Milliarden Dollar. Die Ratingagentur S&P hob die Bonitätsbeurteilung des Unternehmens von stabil auf positiv an.
In der Lieferkette spielt Nvidia eine wichtige Rolle: Der Chiphersteller erwarb im Berichtsquartal zusätzliche CoreWeave‑Aktien im Volumen von rund 2 Milliarden Dollar. CoreWeave bezeichnete Nvidia als bedeutenden Lieferanten und Partner beim Ausbau der GPU‑basierten Infrastruktur.
Daneben bleibt CoreWeave im Wettlauf mit großen Cloudanbietern um KI‑Kapazitäten. Das Management verwies auf eine diversifizierte Kundenbasis und nannte zehn Kunden mit Zusagen von jeweils mindestens einer Milliarde Dollar. Trotz starker Umsatzdynamik und ambitionierter Expansionspläne führten die Kombination aus höheren Kosten, wachsender Verschuldung und der verhaltenen Quartalsprognose zur negativen Kursreaktion.