Dänische Studie: Kein Zusammenhang zwischen Tylenol‑Einnahme in der Schwangerschaft und Autismus
Untersuchung mit mehr als 1,5 Millionen Kindern findet niedrigere Autismusrate bei pränatal exponierten Kindern; Debatte in den USA über Warnhinweise und Verhaltensänderungen bleibt umstritten.
Nach Angaben einer umfangreichen dänischen Registerstudie gibt es keinen Beleg dafür, dass die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft das spätere Autismusrisiko erhöht. Forschende werteten Daten von über 1,5 Millionen Kindern aus, die zwischen 1997 und 2022 geboren wurden, und veröffentlichten die Ergebnisse in JAMA Pediatrics.
Im Mittelpunkt der Analyse standen 31.098 Kinder mit pränataler Paracetamol‑Exposition. In dieser Gruppe lag die Autismusdiagnoserate bei 1,8 Prozent; bei nicht exponierten Kindern betrug sie drei Prozent. Damit stellt die Studie keine positive Assoziation zwischen mütterlicher Paracetamol‑Anwendung und Autismus in der Nachkommenschaft fest.
Zugleich reiht sich das Ergebnis in eine kontroverse öffentliche Debatte in den USA ein. Nach Ankündigungen der Gesundheitsbehörden und öffentlichen Warnungen sanken Bestellungen von Tylenol für Schwangere in Notaufnahmen vorübergehend. Beobachter wiesen darauf hin, dass sich dadurch Verordnungs- und Einnahmegewohnheiten verändert haben, ohne dass alternative Schmerzmittel wie Opioide in den untersuchten Zeiträumen zunahmen.
Daneben betont die dänische Arbeit, dass ein großer Teil der Varianz bei Autismus genetisch erklärt zu werden scheint und dass frühere Hinweise auf Zusammenhänge durch methodische Faktoren erklärbar sein könnten. Paracetamol bleibt während der Schwangerschaft eine der wenigen verfügbaren medikamentösen Optionen zur Schmerzlinderung und Fiebersenkung; nichtsteroidale Entzündungshemmer werden dagegen wegen Blutungsrisiken und möglicher Plazentaprobleme in der Regel nicht empfohlen. Entscheidungen zur medikamentösen Behandlung in der Schwangerschaft sollten folglich die Gesamtlage der wissenschaftlichen Belege und individuelle medizinische Notwendigkeiten berücksichtigen.