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Nick Lachey: 98 Degrees bekam auf erster Tour Handbuch zu Altersgrenzen für sexuelle Einwilligung

Aussagen des Leadsängers in neuer Doku lösen Debatte über Vorsorge, Verantwortung und Ethik der 1990er‑Musikindustrie aus.

JKCM News Redaktion 2 Min Lesezeit
Titelbild: Nick Lachey: 98 Degrees bekam auf erster Tour Handbuch zu Altersgrenzen für sexuelle Einwilligung
In Boy Band Confidential sagt Nick Lachey, die Band habe ein Buch mit altersabhängigen Einwilligungsgrenzen von ihrem Label erhalten und dieses während der ersten Tour im Bus mitgeführt.

Nach Angaben von Nick Lachey erhielten die Mitglieder der US‑Boyband 98 Degrees auf ihrer ersten Tour ein Handbuch, das die Altersgrenzen für sexuelle Einwilligung in den einzelnen US‑Bundesstaaten zusammenfasste. Lachey schildert diese Episode in der zweiteiligen Dokumentation Boy Band Confidential, die in dieser Woche ausgestrahlt wird. Demnach lag das Büchlein auf dem Tourbus und diente den Bandmitgliedern als Orientierung, während sie von Fans umgeben auf der Straße unterwegs waren.

Im Mittelpunkt der Darstellung steht die Einordnung dieses Materials als präventive Maßnahme des Labels. Lachey sagt, das Handbuch sei gedacht gewesen, um mögliche rechtliche Probleme während der Konzertreisen zu vermeiden. Zu der Zeit waren die Bandmitglieder laut Darstellung Anfang zwanzig; das Dokument sollte offenbar klären, wann sexuelle Kontakte in den verschiedenen Staaten rechtlich unbedenklich wären.

Gleichzeitig spaltet die Schilderung die öffentliche Reaktion. Einige Beobachter sehen in der Weitergabe eines solchen Leitfadens eine pragmatische Vorsorge, andere bewerten das Vorgehen als fragwürdig und moralisch problematisch. Die Debatte berührt grundlegende Fragen nach der Verantwortung von Plattenfirmen, dem Schutz junger Künstler und dem Umgang mit minderjährigen Fans unter den Bedingungen intensiver Touraktivitäten.

Zugleich setzt die Dokumentation die Anekdote vom Handbuch in einen breiteren Rahmen und will Schattenseiten des Boyband‑Boons der 1990er Jahre beleuchten. Neben der Handreichung thematisiert der Film Vorwürfe zu Machtmissbrauch, Suchtproblemen und finanzieller Ausbeutung sowie die psychischen Belastungen, die damals weniger offen diskutiert wurden als heute.

Nach dem Schritt ins Rampenlicht zeigen Archivaufnahmen die Nähe zwischen Bands und ihren jungen Anhängern und verdeutlichen das Spannungsfeld, in dem Popgruppen jener Zeit agierten. Die Produktion besteht aus zwei Teilen; die erste Folge wird linear ausgestrahlt, die zweite Folge folgt im Anschluss und soll später auch über Streamingangebote verfügbar sein.

Daneben ist in den vorliegenden Materialien keine unmittelbare Stellungnahme von Motown oder anderen beteiligten Akteuren dokumentiert. Die Schilderungen in Boy Band Confidential werfen damit vor allem Fragen auf, wie die Branche damals mit rechtlichen Risiken und ethischen Spannungen umging.